Erste Group, RBI und OeKB CSD starten DELPHI DLT Use Case Pilot für digitale Wertpapierabwicklung.
Wien, September 2026.
Erste Group Bank AG, Raiffeisen Bank International AG und OeKB CSD starten im Rahmen der DELPHI-Initiative den DELPHI DLT Use Case Pilot. Ziel des Piloten ist es, konkrete Anwendungsfälle für die DLT-basierte Abwicklung digitaler Wertpapiere unter Anbindung an die Eurosystem-DLT-Lösung Pontes gemeinsam mit SWIAT als Technologie- und Infrastrukturpartner praktisch zu testen.
Der Pilot soll zeigen, ob die im DELPHI-Team gemeinsam definierten Use Cases und darauf aufbauenden Services wirtschaftlichen Mehrwert schaffen, technisch mit bestehenden Systemen umsetzbar sind und in einem gemeinsamen Operating Model effizient sowie kostengünstig abgewickelt werden können. Zudem sollen auf dieser Basis mögliche Geschäftsstrategien für den künftigen Einsatz DLT-basierter Kapitalmarktinfrastrukturen weiterentwickelt werden.
Praxisnaher Test für die nächste Entwicklungsstufe digitaler Kapitalmärkte
Mit dem DELPHI DLT Use Case Pilot setzen die teilnehmenden Institute einen nächsten Schritt, um die Potenziale von Distributed-Ledger-Technologie im regulierten Kapitalmarktumfeld praktisch zu erproben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie digitale Abbildungen klassischer Finanzinstrumente künftig effizient, sicher und anschlussfähig an bestehende Marktinfrastrukturen emittiert, gehandelt und abgewickelt werden können.
Dabei werden relevante europäische Entwicklungen berücksichtigt, insbesondere die vom Eurosystem im Rahmen der Pontes- und Appia-Initiativen erarbeiteten Ansätze zu Interoperabilität, Governance und Abwicklung sowie geplante regulatorische Anpassungen im Marktinfrastruktur- und Aufsichtsumfeld. Dazu zählen insbesondere Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Market Integration and Supervision Package, der Central Securities Depositories Regulation und dem DLT Pilot Regime.
Hintergrund zur DELPHI-Initiative
Die DELPHI-Initiative, kurz für Delivery versus Payment Hybrid Initiative, wurde 2020 von Erste Group Bank AG, OeKB CSD GmbH, der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur, der Oesterreichischen Nationalbank und Raiffeisen Bank International AG gegründet. Ziel der Initiative ist es, mögliche Anwendungen und Potenziale der Distributed-Ledger-Technologie für die Emission, den Handel und die Abwicklung tokenisierter Darstellungen klassischer Finanzinstrumente zu analysieren.
Im Rahmen der Initiative wurden und werden rechtliche, technische und geschäftliche Fragestellungen untersucht, insbesondere mit Blick auf mögliche Vorteile gegenüber konventionellen Prozessen. Nach einer mehrjährigen Analyse- und Marktbeobachtungsphase haben Erste Group, RBI und OeKB CSD 2026 beschlossen, gemeinsam einen DELPHI DLT Use Case Pilot unter Anbindung an Pontes durchzuführen.
Marktentwicklungen als Grundlage für den Pilotstart
Mehrere europäische Marktentwicklungen bildeten die Grundlage für den Start des DELPHI DLT Use Case Pilot. Der europäische Kapitalmarkt bewegt sich zunehmend von punktuellen DLT-Experimenten hin zu regulierten Infrastrukturansätzen: Das Eurosystem entwickelt mit Pontes eine Lösung für die Abwicklung DLT-basierter Transaktionen in Zentralbankgeld und zielt dabei auf eine Bereitstellung bis Ende des dritten Quartals 2026 ab; parallel adressiert Appia die längerfristige Ausgestaltung eines integrierten europäischen DLT-Ökosystems für tokenisierte Vermögenswerte.
Gleichzeitig schaffen die Erweiterung der CSD-Regulation (CSDR) bzw. des DLT Pilot Regimes, die Weiterentwicklungen im Marktinfrastruktur- und Aufsichtsumfeld sowie nationale Vorreiterinitiativen bei digitalen Wertpapieren die Voraussetzungen dafür, dass tokenisierte Finanzinstrumente stärker in regulierte Marktprozesse integriert werden können. Tokenisierung ist dabei deshalb relevant, weil sie nicht lediglich bestehende Wertpapiere digital abbildet, sondern potenziell Emission, Verwahrung, Übertragung, Abwicklung und Asset Servicing effizienter, stärker automatisiert und besser interoperabel gestalten kann. Internationale Marktanalysen unterstreichen diese Entwicklung: Citi erwartet, dass der Markt für tokenisierte Vermögenswerte bis 2030 auf rund USD 5,5 Billionen anwachsen könnte.
Der DELPHI-Ansatz folgt dabei einem Modell, bei dem Wertpapierbestände tokenisiert werden. Damit behalten Investorinnen und Investoren wirtschaftlich dieselben Wertpapiere beziehungsweise ISINs mit denselben Investorenrechten, während die technologische Abbildung und potenzielle Abwicklungslogik auf DLT-basierter Infrastruktur weiterentwickelt und getestet wird.